Das kommt mir nicht in die Tüte – in Ruanda sind Plastiktüten verboten

Das kommt mir nicht in die Tüte – in Ruanda sind Plastiktüten verboten

Plastiktüte

 

 
 
 
 
 
 

Wer von euch in letzter Zeit mal in England, vor allem in London, war, wird es vielleicht bemerkt haben: für jedes noch so kleines Packet Kaugummi an der Bude kriegt man eine Plastiktüte. In Supermärkten verpacken die Kassierer Dinge wie Mehl und Zucker gerne noch mal in kleine Extratüten, bevor es zusammen mit den anderen Sachen in die große Plastiktüte geht. Mich hat das schon mehr als einmal kopfschüttelnd zurückgelassen.

In Deutschland ist es nicht ganz so schlimm wie in England, finde ich zumindest. Aber der Gebrauch von Plastiktüten ist immer noch immens. Laut Studien des Umweltbundesamtes verbrauchen wir pro Kopf ganze 76 Plastiktüten im Jahr. Das sind mal schnell nachgerechnet knapp 6,1 Milliarden Plastiktüten. Damit gehört Deutschland neben England, aber auch Italien und Spanien zu den absoluten Spitzenreitern in Europa.

In den USA gibt es Staaten, die Plastiktüten bereits komplett verboten haben. Und im Frühjahr dieses Jahres hat die EU beschlossen, dass europäische Länder Plastiktüten ebenfalls entweder versteuern oder ganz verbieten dürfen. Es bleibt aber zu einem gewissen Grad Entscheidung der Länder, wie sie diese Vorgaben umsetzen. Das deutsche Umweltministerium zum Beispiel ließ noch im März verlauten, dass es derzeit ‘keinen Grund sieht, Plastiktüten einzuschränken oder zu verbieten’.

Während wir hier also noch über das wie und warum sinnieren, gibt es ein Land in Afrika, dass die Frage schon 2008/2009 geklärt hat – und für uns alle als Vorbild dienen sollte: Ruanda.

Ruanda hat vor rund 6 Jahren den Gebrauch von Plastiktüten quasi komplett verboten. Punkt. Nichts mit Besteuerung und solchen (wie ich finde halbherzigen) Regelungen. Supermärkte in Ruanda, die Plastiktüten rausgeben, können dicht gemacht werden. Wer einkauft, bringt entweder seinen Stoffbeutel mit oder nimmt eine der dicken braunen Papiertüten. Wer Plastiktüten heimlich benutzt, könnte im drastischsten Fall im Gefängnis landen. Hotels zum Beispiel brauchen eine Lizenz, um ihr Salatbuffet mit Frischhaltefolie abdecken zu dürfen.
Plastiktüten sind nur noch zur Entsorgung von Krankenhaus- und Hausmüll erlaubt, sowie dickere Plastikfolie für Bauarbeiten und in der Landwirtschaft.

Das Ergebnis? Eine saubere Stadt, frei von herumfliegenden, sich in Bäumen und Gulli verfangenden Plastiktüten. Eine Stadt, mit weniger Plastikmüll als die umliegenden Nachbarländern zusammengenommen.

Wie hat Ruanda das bloß geschafft und wie kam der Anreiz?

Wie zu Anfang erwähnt, schlagen sich viele Länder mit Plastikmüll herum – und für Entwicklungsländer kann es eine besonders große Herausforderung sein. Denn wenn als Teil des Entwicklungsprozesses zum Beispiel mehr und mehr Supermärkte öffnen (mit die Hauptquelle von Plastiktüten) dann fehlen in dieser Phase oftmals seitens der Regierung noch die nötigen Mittel, um für entsprechende Methoden zu sorgen, wie der ganze Zustrom an neuem Müll entsorgt wird. Denn nicht immer stehen Jobs wie Straßenreinigung und Recycling ganz oben auf der Prioritätenliste von Regierungen in Entwicklungsländern.

In Ruanda sah die Situation lange Zeit folgendermaßen aus: 45% der Bevölkerung galt als arm. Hinzu kam, dass Ruanda einen der schlimmsten Völkermorde in der Geschichte unserer Menschheit verarbeiten musste – 800.000 Menschen wurden in nur wenigen Monaten getötet. Eine lange Liste an Aufgaben also, die ein Land und dessen Bevölkerung zu bewältigen hat.

Ruanda hätte sich dafür entscheiden können, Plastiktüten zu versteuern, so wie es andere Länder getan haben bzw. vorhaben. Stattdessen hat Ruanda sich dazu durchgerungen, Plastiktüten komplett zu verbieten – erstens, weil die Recycling-Methoden von solchen Tüten sich als enorm kostenaufwendig herausstellten und zweitens, Ruanda davon Abstand nehmen wollte, solche Tüten einfach zu verbrennen um die Luft nicht mit giftigen Schadstoffe zu verpesten.

Ruanda hat sich also trotz der Umstände und Herausforderungen für eine nachhaltige und ökonomisch umsichtige Lösung entschieden, die Mensch und Umwelt gleichermaßen zugute kommt. Was eine couragierte Entscheidung!
Die Vorteile

Ich denke, der negative Einfluss durch Plastikmüll für Mensch und Umwelt liegt auf der Hand, aber für Entwicklungsländer, in denen Infrastruktur und Co. teilweise der lokal-wirtschaftlichen Entwicklung hinterher hinken, kann das ganze noch mal ganz andere Ausmaße annehmen. In Ghana beispielsweise konnte die spärliche Kanalisation der neuen Masse an Plastikmüll nicht Herr werden und verstopft derart, dass es zu einer Überschwemmung kam und 150 Menschen ihr Leben verloren. Der Schaden dieser Überschwemmung wird auf mehrere Millionen USD geschätzt, was das Land in seinem Streben nach Entwicklung weit zurück wirft.

Plastikmüll einzuschränken bzw. zu verbieten kann nicht nur Leben rettet, sondern auch die Wirtschaft ankurbeln. Ruanda hat seit der Einführung des Verbotes einen Anstieg des Tourismus erlebt, was nachweislich dem sauberen Aussehen und Image des Landes zu verdanken ist. In 2014 besuchten 1,2 Millionen Touristen Ruanda, ein Anstieg von ganzen 4% in einem Jahr. Darüber hinaus sind 8% aller Jobs in Ruanda (was ganze 177.000 Jobs ausmacht) im Tourismus-Sektor verankert und der Tourismus brachte dem Land im Jahr 2014 satte 305 Millionen US Dollar ein.

Und last but not least: der wie ich finde beste Aspekt an der Sache ist, dass Kigali, Ruandas Hauptstadt, zu den saubersten Städten in ganz Afrika zählt!

Und es geht noch weiter

Ruanda macht hier aber noch nicht Halt, sondern hat schon weitere ambitionierte Projekte in den Startlöchern. Bis zum Jahr 2020 will Ruanda zu einem Land mit mindestens mittlerem Einkommens-Status werden. Um das zu erreichen, setzt Ruanda vor allem auf nachhaltige Lösungen: Ruanda will das erste Land werden, dass jeglichen Plastikmüll komplett verbietet, und so wie es derzeit aussieht, scheint das nicht unmöglich zu sein.
Außerdem will Ruanda verstärkt darauf achten, dass kein Plastikmüll aus Nachbarländern eingeschleppt wird und somit kein Schwarzmarkt für Plastik entsteht. Verschiedene Ansatzpunkte, die allesamt der Umwelt zugute kommen und neue, langfristige Jobs schaffen wird.
Plastikmüll ist ein weltweites Problem, keine Frage – aber während Industrieländer teilweise über den noch so kleinsten Schritt in eine nachhaltige Richtung sinnieren, hat Ruanda längst die Sache in die Hand genommen und gezeigt, wie es gehen kann. Da kann der ein oder andere sich ernsthaft noch eine gewaltige Scheibe von abschneiden!

2 Kommentare zu Das kommt mir nicht in die Tüte – in Ruanda sind Plastiktüten verboten

  1. Sheri Garunja sagt:

    Schön zu lesen, dass ein Entwicklungsland wie Ruanda es ganz allein geschafft hat, das Verbot der Plastiktütenbenutzung anzutreiben.Wir sind schon in Kenntnis gestellt, dass viele Länder die Vereinbarung initiiert haben, den Verbrauch von diesen aus schädlichen Kunststoffen bestehenden Tüten zu reduzieren und dass ein großer Teil daraus es erfolgreich unter sich gebracht hat, aber trotz alledem hat so eine enorme Einführung des Verbotes mich wirklich erstaunt. Hoffentlich wird es auch zu den anderen Staaten in den Sinn kommen, so was Aehnliches zu unternehmen. Freue mich, dass ihr jetzt auf die Seite aktiv seid und ich warte nun auf den nächsten Eintrag!

  2. Pegi Shehu sagt:

    Das Thema dieser Woche fand ich wirklich interessant!Solche Länder wie Ruanda können uns inspirieren ,aber auch bewusst machen, dass wir etwas gegen die Plastiktüten, die ganz schädlich sind, und gegen die Umweltverschmutzung im Allgemeinen tun sollen. Ich warte ganz gespannt auf den nächsten Artikel!

Schreibe einen Kommentar